Nach der Wende funkte es beim Bürgermeister

 
Heinrichswalde. Woran denkt Frank Kamke, 55 Jahre alt, bei seinem 25. Firmenjubiläum? Immer an die Zukunft, sagt der Heinrichswalder. Ein Selbstständiger denkt immer voraus. Er trifft Entscheidungen, handelt und überlässt das nicht Anderen. Das hat Frank Kamke auch vor 25 Jahren so gemacht. Es war die Zeit der Wende, Kamke war 30 Jahre, sein jüngster, dritter Sohn gerade geboren. Als gelernter

Elektroinstallateur entschied sich der Familienvater, der auch Staat und Recht studiert hat und von 1987 bis 1990 Bürgermeister in Heinrichswalde war, zu seinen beruflichen Wurzeln zurückzukehren. Am Tag, als die D-Mark kam, machte er sich selbstständig. Blitzschutz-Elektro-Kamke heißt er seitdem. Der Heinrichswalder hat dafür gesorgt, dass dieser Name sich einprägt. Nicht nur mit dem knallgelben Schriftzug auf den grünen Firmentransportern, die zwischen Berlin und Stralsund, aber auch mal bis Hamburg, in den Ruhrpott oder bis nach Holland rollen. Wer über lange Zeit am Markt bestehen will, egal ob regional oder darüber hinaus, der muss Qualität liefern und zuverlässig sein, sagt der Heinrichswalder. Er beschäftigt mittlerweile zehn bis zwölf Leute, einige sind schon von Anfang an dabei, und die sehr speziellen Leistungen, die der Heinrichswalder anbietet, sind gefragt, ob nun in Rotterdam eine Zuckerfabrik ausgerüstet werden muss, in Vorpommern eine Kirche saniert oder eine neue Biogasanlage aufgebaut wird. Alle fachmännischen Leistungen rund um Blitzschutz- und Überspannungsschutz gehören zum Leistungsspektrum Blitzschutz-Elektro-Kamke. Das macht den Großteil unserer Arbeit aus, sagt Kamke. Hauptsächlich für öffentliche Gebäude und Produktionsstätten muss moderner Blitzschutz installiert werden. Natürlich auch für private Eigenheime, aber das wird seltener angefragt. Blitzschutz ist bei Einfamilienhäusern nicht vorgeschrieben. Den lassen die Leute nur installieren, wenn sie ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis haben. Aber es kommt auch bei privaten Bauherren vor, sagt Kamke. „Meist ruft die Frau an und fragt nach einem Blitzableiter und sagt dann, wenn es konkret wird: Ich gebe ihnen mal meinen Mann. Der ist dann meist der Meinung: ‚Brauchen wir nicht.‘“

Frank Kamke ist nicht böse deswegen, seine Auftragsbücher sind voll. In 25 Jahren hat er keine schlechten oder wirtschaftlich bedrohlichen Zeiten erlebt, sagt er rückblickend.

Das Firmenjubiläum konnte deshalb auch ganz entspannt und mit Vorfreude auf das, was da noch kommt, gefeiert werden. Allerdings haben sich die Vorstellungen von der Zukunft im Laufe der 25 Jahre bei Frank Kamke erheblich gewandelt. Auf seine alten Tage werde er gewiss nicht untätig auf einer Sonneninsel herumsitzen, so wie er sich das noch als 30-Jähriger vorgestellt hatte, sagt Kamke lachend. Selbst zu arbeiten werde ihm immer ein Bedürfnis sein. Lediglich das ständige Arbeiten an sieben Tagen in der Woche, das werde zunehmend schwieriger, räumt er ein. Höchste Zeit, die Weichen zu stellen.

Aber damit beginnt bereits ein neues Kapitel in der Firmengeschichte. Frank Kamke kann nur hoffen, dass er es mit seinem jüngsten Sohn, der bei ihm arbeitet, gemeinsam weiterschreiben kann.

Quelle: Nordkurier Haffzeitung vom 29.10.2015